Auf nach Laos

Im März und April gab es lange Schulferien, welche ich für ausgiebiges Reisen nutzen konnte. Hier nun der Anfang der Reise: Laos

Eingequetscht in einem kleinen Van kurven wir durch die bergige Grenzregion zu Laos im Norden von Thailand. Ich habe mittlerweile die Orientierung verloren und frage mich, ob wir über die Grenze geschleppt oder einen offiziellen Grenzposten benutzen werden. Die weiteren Abenteurer sind Jakob, Paul und Florian; zusammen wollen wir einen Monat lang Laos, Vietnam und Kambodscha erkunden.

Nach geschätzten 1500 Höhenmetern finden wir ein paar Baucontainer vor – die Grenze. Auf der laotischen Seite begeben wir uns auf die Suche nach einem Transportmittel, es folgt das gleiche Spiel – nur abwärts und seitenverkehrt. Als Reaktion auf den Zustand der Straße und einem interessanten Fahrstil beginnen einige Mitfahrende wiederzukäuen. Auf der Fähre, mit der wir den Mekong überqueren, weht die erste Hammer und Sichel Flagge; wir befinden uns schließlich in einer Volksrepublik. Weitere Stunden auf Sandstraßen vergehen, bis Luang Prabang schließlich auftaucht.

Dieses idyllische, zwischen Bergen gelegene Städtchen mit französischem Einfluss lädt dazu ein, länger zu bleiben. Nicht überlaufen, mit vielen kleinen Gassen. Der Geldautomat macht erst mal jeden von uns zum Millionär (1€ = 10.000 Kip). Es gibt einen Nachtmarkt mit unzähligen von Hand gemachten Waren. Einige Tempel erinnern daran, dass wir uns in einer alten Königsstadt befinden. Und überall findet man: BROT!! Ehrlich gesagt, war es anfänglich ein merkwürdiges Gefühl, an einem normalen Marktstand ein Schinken-Sandwich zu bestellen; aber eine willkommene Abwechslung. Auch architektonisch ist der koloniale Einfluss im Stadtbild allgegenwärtig. Wir haben dann einen Ausflug zu einem mehrstufigen Wasserfall in der Nähe gemacht.

Nach 2 Nächten ging es dann weiter nach Vang Vieng. Der Weg dahin führte wieder an vielen Steilen Hängen vorbei, wobei wir einen kleinen Eindruck bekamen, wie die Menschen außerhalb der Tourizentren leben. Schnell kam die Erinnerung wieder, dass wir uns in einem der ärmsten Länder der Welt befanden. Mehr als 40% der Bevölkerung haben noch nie eine Schule besuchen können. Durch die kleinen Dörfer aus Holzhäusern mit aufgestellten Brunnen bekannter Hilfsorganisationen mit dem klimatisierten Bus zu donnern und die Szenerie durch die Scheiben zu beobachten (Stichwort: Zoo), erzeugte in mir ein unangenehm mulmiges Gefühl. Für die 220 km lange Strecke brauchten wir ganze 7 Stunden. Der Bus kämpfte sich wirklich durch die kurvigen Gebirgsstraßen. Die Blicke auf die gigantischen unberührten Wälder waren beeindruckend.

Für umgerechnet 5€ pro Doppelzimmer kamen wir in dem Ort unter, der mit Extrem-Partys inklusive unkontrollierter Alkohol- und Drogenexzesse noch bis vor kurzem ein weiteres Beispiel für zerstörerischen Tourismus war. Nach mehr als 50 Todesfällen intervenierte die laotische Regierung. Heute lockt Vang Vieng wieder mit seiner tollen Landschaft aus Karstfelsen und Regenwald, weshalb wir uns zum Erkunden dieser Motorroller mieteten. Wir besuchten eine der Höhlen im Felsen mit Buddha, haben an der Blauen Lagune entspannt und uns an einsamen Wasserfall abgekühlt (soweit das die Trockenzeit zuließ). Auf dem sehr holprigen und teilweise steilen Rückweg von letzterem kam es dann leider zu einem kleinen Zwischenfall, bei dem der Roller mit Jakob und Paul umgekippt war. Die Blessuren an den beiden beschränkten sich zum Glück nur auf Schürfwunden und Blaue Flecken, doch durch die verborgene Fußschaltung des nagelneuen(!) Rollers war es nur noch schwer möglich, zwischen den Gängen zu schalten.

Es folgt die beispiellose Hilfsbereitschaft der Laoten: Im nächsten Dorf wurde eine Familie auf unser Problem aufmerksam. Nach dem wir mit einen Mix aus Laotisch und Thai erklärt hatten, was los ist, wurde sogleich der Mann aus der Schule heran telefoniert. Nachdem der gute Mann dann das beschädigte Teil ausgebaut hatte, war klar, dass wir ohne ein Ersatzteil nicht weiterkommen würden. Mittlerweile hatten sich schon einige Kinder aus dem Dorf dazu gesellt, um die komischen Ausländer zu begutachten. Schon 15 Minuten später traf der Sohn der Familie mit dem benötigten Teil aus der Stadt ein. Und das beste: Mit diesem lief es wieder (sogar besser als vorher!). Wir waren einfach nur unendlich dankbar für diese super Pannenhilfe.

Schon fast sesshaft geworden, brachen wir nach 2 Nächten auf in Richtung Vientiane. Mit nur 350.000 Einwohnern hat man nicht wirklich das Gefühl, in einer Hauptstadt zu sein. Wenig Verkehr, angenehm ruhig und um Mitternacht macht fast alles dicht. Frankophile kommen an vielen Ecken voll auf ihre Kosten, spätestens beim Anblick des Triumphbogens, welcher eine frappierende Ähnlichkeit zum  Arc de Triomphe besitzt. Wir hatten die etwas wahnsinnige Idee, auf Fahrrädern die Stadt zu erkunden – bei 40°C. Der spätere Besuch des Nationalmuseums konnte leider nicht wirklich zum weiteren Verständnis der laotischen Geschichte beitragen. Dafür war der Nachtmarkt am Flussufer bestens “sortiert”, wobei fleißig gefeilscht wurde.

Und schon war eine Woche um. Für uns war das Bewegen in Laos leicht, da Laotisch und Thailändisch sich ähneln; außerdem sprechen viele Einwohner beide sprachen. Auch das Essen war keine große Umstellung. Doch die Atmosphäre in Laos war oft anders als in Thailand. Viel ruhiger, oft natürlicher, nicht so grell. Man merkt, dass dieses Land gerade aus seiner jahrelangen Isolation wie aus einem Dornröschenschlaf langsam erwacht. Und die Investoren, allen voran China, warten schon, um das Land wirtschaftlich zu erschließen. Hoffentlich auch zum Vorteil der Bevölkerung.

Für uns ging’s nun weiter mit dem Bus nach Vietnam. 24 Stunden bis Hanoi. Juhu!

 

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Pimp my Buddha

Vor einiger Zeit riss es mich mal wieder viel zu früh aus den Träumen. Mein Wecker bestätigte das Gefühl und zeigte 5 Uhr.

Thais stehen normalerweise schon früh auf, aber wenn es zum Tempel geht, kann es gar nicht früh genug sein. Schließlich sollten wir heute der Errichtung eines Buddhabildnisses beiwohnen. Also fuhren wir zu einem sehr kleinen Dorf in der Nähe, wo bis jetzt noch kein Buddha geschweige denn Tempel stand. Angekommen im Wald bereiteten bereits Mönche die Zeremonie vor. Das Gerüst und die Skizze wurden positioniert. Viele Besucher trugen weiß. Während der Mörtel aufgetragen wurde, segneten die Mönche dann den Buddha. Viele Thais kauften kleine vergoldete Plättchen, welche in eine Kiste unter dem Buddha getan wurden, die mit eingemauert wurde. Außerdem durfte jeder Geldstücke in den Mörtel drücken. Dabei war am Kopf des Buddhas besonders viel los, denn dieser beinhaltet aus der Sicht der Thais den Geist und die Seele und wird deshalb als höchstes Körperteil angesehen. Ich habe meine 5 Baht am Hintern platziert, dort war es wesentlich ruhiger.

Rund herum gab es Essensstände mit herrlichem Thai Food und zwar umsonst. Man kreiste also zwischen den Stationen: Beim Bau zuschauen, wieder etwas essen und natürlich mit den anderen quatschen. Wie immer waren alle sehr aufgeschlossen, ich durfte alles angucken und mitmachen. So geht dann ein Sonntags-Brunch auf Thai.

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Happy New Year – reloaded

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Vor der Wasserstraße in Ubon

Was schon wieder Neujahr? Ja, aber doch sehr anders.

Vom 13-15. April wurde in ganz Thailand nämlich Songkran, das traditionelle Neujahrsfest nach dem thailändischen Mondkalender, gefeiert.

Ursprünglich wurden nur Mönche, Buddha-Statuen und Familienangehörige mit ein bisschen Wasser “gereinigt”. Heute ist es eine drei Tage andauernde riesige Wasserschlacht, welche einen ungemeinen Spaß macht.

Ich habe zusammen mit Jakob und vielen aufgekratzten Thais in Ubon gefeiert. Teilweise auf der Ladefläche von Pick-Ups, die in einer Art Autokorso, bestückt mit großen Tonnen voll Wasser inkl. Eisblock, durch die Stadt fuhren, wobei sich die Besatzungen gegenseitig nass machen. Außerdem gab es eine Wasserstraße, die ihren Namen wirklich alle Ehre gemacht hat. Denn auf der zweispurigen Straße (ohne Autos) waren überall Fontänen, Schläuche und und Duschen, unterlegt von tanzbarer Musik. Wenn die Sonne verschwunden war, ging es zum Big C, wo es mit einer Schaumparty weiterging.

Mit die besten drei Tage meines Aufenthalts – und die nassesten.

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Eine neue (alte) Herausforderung

Die thailändischen Bildungsgefilde sind extrem (anders), fröhlich, laut, bunt, verspielt  und manchmal absurd. Seit November erlebe ich eine weitere Seite, denn ich  unterrichte jede Woche 3 Std. in der lokalen Grundschule. Hier kommt der (längst überfällige) Bericht:

Es ist 15.55Uhr. Ich habe meinen Unterricht in der weiterführenden Schule gerade beendet. Die Schüler rufen “Goodbye teacher”, doch für mich geht es noch nicht nach Hause. Mit dem Fahrrad radel ich zur anderen Seite meines Dorfs, wo die Kinder schon warten. Sie schreien “Ajarn Gongpob maa leo” – Lehrer Gongpob (ja, das ist mein Thai-Name!) ist angekommen. Die Schüler hier sind auch am Nachmittag noch voller Energie. Die Traube schiebt mich in den heißen Klassenraum. Kru Dtia, mit dem ich die Klassen zusammen unterrichte, fordert die Schüler auf, sich zu setzten. Wir fragen sie, welches Lied heute gesungen werden soll? “Five Little Monkeys”, tönt es; dann wird gesungen und gesprungen. Die Jungs haben Schweißperlen auf der Stirn. Sie haben sich ausgepowert, gut, dann ist es später leiser in der Klasse. In den nächsten 15 Minuten erklären wir den Schülern eine neues Thema. Wir sprechen über Farben, Formen, Present Tense, Hobbys, Tiere usw. Danach gibt’s ein Arbeitsblatt, auf dem das Gelernte angewendet werden soll. Jeder möchte zuerst fertig sein. Sie laufen durch die Klasse, stellen viele Fragen. Wer alles bearbeitet hat, kommt zu mir und erhält die ersehnten Sterne in sein Heft. Wer die vollen fünf kriegt, verkündet lauthals seinen Erfolg. Alle packen ihre Sachen. Beim Hinausstürmen versucht es jeder auf Englisch: “Goodbye teacher, see you next time!” Jetzt geht’s nach Hause. Mein Rücken ist klitschnass.

Ich unterrichte die Klassenstufen B1 (Erstklässler), B2 und B3 jeweils einmal die Woche. Dabei bin ich, anders als in der weiterführenden Schule, wirklich mal ein Teacher Assistant, denn ich schmeiße die Stunde nicht alleine, sondern unterstütze meinen Kollegen. Dadurch erhalten die Schüler eine wirklich intensivere Betreuung.

Die Energie und Fröhlichkeit der Schüler sind unglaublich. Auch wenn ich vor dem Unterricht an der Grundschule oft schon ziemlich geschafft bin, bringen die Kleinen es fertig, mich mitzureißen. Ihre gute Laune regeniert mich irgendwie.  Und so fühle ich mich nach der Stunde meist fitter als vorher.

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Ayutthaya und Kanchanaburi

Im Januar gab es mal wieder ein paar Tage Schulfrei, welche ich für einen Trip nach Zentralthailand genutzt habe.

Nach meinem aprubten Aufbruch kam der Bus dann leider etwas ungünstig um 3 Uhr nachts in Bangkok an. Auch wenn diese Stadt niemals schläft, entschied ich mich, noch 3 Std. in der Wartehalle zu schlafen, bis es vom Hua Lamphong Bahnhof weitergehen sollte.

Kaum hatte der Zug die Industriekomplexe Bangkoks hinter sich gelassen, war ich auch schon in Ayutthaya. Bei der Fahrt mit dem Motorrad-Taxi stellte ich fest, dass meine Vorstellung von der ruhigen Tempelstadt revidiert werden musste. Wenige Ampeln, aber viel Verkehr. Ich bezog mein Dorm in einem angeblich 100 Jahre alten Teakholzhaus direkt am Fluss. Der Lonely Planet empfahl die Tempelruinen per Fahrrad abzuklappern, also schnell eins gemietet. Und schon ging es los. Der Grund, weshalb Ayutthaya so viele Tempel besitzt, ist, dass die Stadt früher die Hauptstadt vom Königreich Siam (1352–1762) gewesen ist. Damals war dies einer der “angesagtesten” Orte Asiens, da Ayutthaya ein bedeutender Handelshafen gewesen ist. Im Jahr 1767 überfielen die Birmanen die Stadt und raubten einen Großteil der Schätze. Außerdem sind sie für die abgehackten Köpfe der Buddhastatuen verantwortlich.

Am nächsten Morgen wollte ich dann weiter nach Kanchanaburi, welches ungefähr auf der gleichen Höhe von Ayutthaya aber westlicher liegt. Nach 4 Std. Fahrt mit dem Bus inklusive Umsteigen in Suphanburi erreichte ich die Stadt, welche durch den Film “Die Brücke am Kwai” zu zweifelhafter Berühmheit gelangte.

Der Film spielt in der Zeit des 2. Weltkrieges und zeigt britische Kriegsgefangene, welche unter unmenschlichen Bedingungen für die Japaner, die Thailand von 1942-43 besetzt hatten, eine Eisenbahnbrücke über den besagten Fluss bauen müssen. Allerdings hat Hollywood sich natürlich der künstlerischen Freiheit bedient und die Geschehnisse nicht exakt wiedergegeben. Wer z.B. Thailänder nach der Brücke über den Fluss Kwai fragt, wird sicherlich zu Belustigung der Einheimischen beitragen. Denn Kwai bedeutet auf Thai “Wasserbüffel” und wird hauptsächlich als Beleidigung benutzt. Warum der Name falsch übersetzt wurde, ist mir nicht bekannt. Außerdem gehörten zu den Kriegsgefangen auch Holländer, Australier und Zwangsarbeiter aus den benachbarten asiatischen Ländern. Heutzutage wird die Eisenbahnstrecke “Death Railway” genannt, da nach Schätzungen mindestens 100.000 Menschen während der Bauarbeiten sterben mussten. Im Jahr 1945 zerbombten Alliierte die Brücke. Nach Kriegsende wurde sie allerdings wieder aufgebaut und ist heute im Besitz der thailändischen Eisenbahngesellschaft. Ich nutzte die Gelegenheit auf der historischen Strecke 3 Std. bis zu einem Nationalpark zu fahren, was ich mir jedoch spektakulärer vorgestellt hatte.

Dank meiner inzwischen gereiften Thaikenntnisse hatte ich während meiner Reise wieder viele tolle Begegnungen mit Einheimischen. Zudem bin ich angenehm unabhängig und kann meistens abseits der Touristenströme reisen.

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Das nervt

Seit nun fast 7 Monaten könnt ihr hier verfolgen, was für eine tolle Zeit ich in Thailand verbringe. Nichtsdestotrotz ärgere ich mich natürlich auch mal oder bin von einigen Dingen genervt. In diesem Post versuche ich, diese Punkte nachvollziehbar zu schildern.

“Indirekte Kommunikation” – Wie in vielen asiatischen Ländern kommunizieren auch die Thais indirekt. Was heißt das nun? Anliegen, Kritik und Unzufriedenheit werden nicht explizit angesprochen, sondern zwischen die Zeilen gepackt. Gleichzeitig läuft ein Großteil des Gesprächs nonverbal ab. Ein einfaches “nein” geht gar nicht. Die Thais möchten damit die Harmonie wahren und verhindern, dass das Gegenüber sein Gesicht verliert. Das nämlich gilt als äußerst unhöflich. Ich möchte natürlich kein Rüpel sein und habe mich nach einiger Eingewöhnung daran ziemlich gewöhnt. Trotzdem ist es anstrengend und oft sehr umständlich, aber meistens viel freundlicher und milder, so zu kommunizieren. Ich werde mich allerdings nie daran gewöhnen können, dass mir auf einmal irgendjemand etwas mitteilt, was eigentlich jemand anderes sich gedacht hat. Wir nennen so etwas Lästern, doch Thais nutzen gerne eine zweite Person, um Kritik etc. zu überbringen. Es fühlt sich manchmal so an, als ob Wahrheiten erst mal um einen herumkreisen, bis sich jemand gefunden hat, der sie anpricht.

“Was heißt das?” – Ich unterrichte Englisch. Korrekt. Allerdings wird hier auch gerne mal angenommen, dass ich Muttersprachler bin und dementsprechend eifrig Erwartungen impliziert. Bin ich nicht, denn in Deutschland spricht man Deutsch. Ich habe Englisch genauso gelernt wie alle anderen auch. Ich kenne nicht jedes Wort und muss die Übersetzung von z.B. “Sparschwein” auch erst mal nachschlagen – siehe da “piggy bank”.

Um mich mal ganz weit aus dem Fenster zu lehnen, behaupte ich, dass das Informationsmanagement der Thais ausbaufähig ist. So erfahre ich von schulfreien Tagen, royalen Geburtstagen, wichtigen Veranstaltungen und Zeremonien meistens nur ein paar Stunden vorher. Ich habe mir zwar schon angewöhnt, nach besonderen Ereignissen in den nächsten Wochen zu fragen, was trotzdem gern verneint wird, da Thais die alljährlich wiederkehrenden Traditionen als Selbstverständlichkeit verstehen. Naja, man muss es sportlich nehmen und als weiteres Spontanitätstraining verstehen.

In Deutschland wird ja gerne mal pauschal gesagt, dass alle Lehrer ständig frei haben und die Nachmittage für Freizeit nutzen können. Familienbedingt weiß ich, dass die Realität anders aussieht. In Thailand dagegen bin ich von der Arbeitsmoral in Schulen manchmal sehr überrascht. Grundsätzlich ist durch die vielen Feiertage, Ferien, Seminare schon mal nicht so viel los, es wird keine Arbeit nach Hause genommmen und zahlreiche Jobs neben dem Unterrichten werden den Lehrern durch angestellte Hilfskräfte abgenommen. Trotzdem sehe ich manche Pädagogen  durchgängig vorm Computer sitzen, wichtige Facebook-News checken; der Studenbeginn wird um mehr als 20 Minuten verschleppt oder statt Unterricht wird regelmäßig einfach ne Thai Soap gezeigt (wohlgemerkt im Englischunterricht). Ich für meinen Teil als Assistant Teacher versuche meine Arbeit gewissenhaft zu erledigen und muss mich manchmal wundern, wie festangestellte Kollegen ihren Lehrauftrag interpretieren. Dazu muss man wissen, dass Lehrer im Vergleich zu anderen Berufsgruppen in Thailand ein sehr gutes Einkommen genießen.

Wie schon eben angedeutet, fällt sehr viel Unterricht aus. Teilweise geplant durch Feiertage doch auch oft durch Fortbildungen (natürlich während der Schulzeit), schulinterne Feiern, Camps und Ausflüge. Manchmal müssen die Schüler auch zur Schule kommen, doch dann statt Unterricht die Schule für einen wichtigen Besuch herrichten. Ich bin froh keinen Lehrplan zu haben, der bis zum Ende des Jahres fertig sein müsste. Wir in Deutschland praktizieren da mal wieder Jammern auf hohem Niveau. Würde bei uns so viel ausfallen, hätten doch schon längst Elternmilizen den Schulleiter gestürzt.

Ihr seht, es gibt ein paar Gründe dafür, dass mein thailändisches Dauerlächeln manchmal entgleist. Aber nur manchmal.

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Weihnachten/Neujahr vorm Ventilator

Lange gab’s nichts Neues, schließlich muss auch erst mal wieder etwas erlebt werden. Jetzt geht’s wieder los!

Schon vor Wochen haben mich viele Thais gewarnt, dass es zum Anfang des Jahres sehr kalt werden würde. Sie nannten es Winter. Doch auch hier sind die Wahrnehmungen mal wieder sehr unterschiedlich. Ja, es hat sich etwas abgekühlt und vor allem nachts ist es wirklich mal angenehm kühl. Doch bei Tagestemperaturen um die 25°C denke ich jetzt nicht wirklich an Winter geschweige denn Weihnachten. Die Thais halten aber Wort und so muss ich doch immer wieder grinsen, wenn ich Schüler mit Wollmütze und Schal über den Schulhof laufen sehe.

Mein Weihnachtsfest war überraschenderweise ziemlich unweihnachtlich, doch sicherlich einprägend. Zusammen mit Jakob und Felizia habe ich den Gottesdienst einer christlichen Schule besucht. Highlights: Gangnam Style tanzende Kinder auf der Bühne und Thai dance mit einer Weihnachtsfrau, die Mentos verschenkt hat.

Weihnachten in so weiter Ferne in einem Land zu sein, in dem der 24. ein ganz normaler Arbeitstag ist, fühlte sich zugegebenermaßen merkwürdig an.

Silvester habe ich mit Jakob und seinen Leuten im Khao Yai Nationalpark in der Nähe von Bangkok, umringt von Bergen, gefeiert. Genauer gesagt auf einem Cowboy und Indianer Festival inklusive thailändischer Countrymusik und Ladycowboys. Wirklich beeindruckend sahen die hunderten Himmelslaternen um Punkt 12 aus, sicherlich ein Bild, welches ich nicht so schnell vergessen werde.

Kurz vor Weihnachten gab es noch eine Meditationsnacht in meiner Schule mit geschätzten 2000 Teilnehmern. Im Voraus wurde ich gewarnt, dass an diesem Tag besonders viele Geister unterwegs seien. Von 17 Uhr bis 5 Uhr morgens wurde, begleitet von den lokalen Mönchen, fleißig gebetet und meditiert. Für Unwissende muss es wie eine riesen Pyjama-Party ausgesehen haben, da alle in weiß kamen. Die Atmosphäre war sehr interessant, obwohl mir leider wenig über den Hintergrund erklärt wurde. Das Riesenspinnennetz (s. Fotos) wurde in den Tagen davor aufgebaut, sodass jeder Teilnehmer einen eigenen Baumwollfaden hatte. Die Fäden liefen alle zusammen und waren mit den Mönchen, der Buddha-Statue, den Schulgebäuden teilweise sogar Autos verbunden. Alle waren dadurch spirituell verbunden. Warum? Wenn ich es richtig verstanden habe, zum Schutz vor bösen Geistern.

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Loi Krathong

Letzte Woche (ja, das ist jetzt nicht chronologisch) am 28.11, dem Tag des letzten Vollmonds des thailändischen Jahres, wurde landesweit Loi Krathong gefeiert. Bei diesem Fest danken die Buddhisten der Flussgöttin für die Fruchtbarkeit der Felder (im November wurde der Reis geerntet).

Dabei bastelt man aus Bananenblättern kleine Flösse, die sog. Krathongs, und lässt diese mit Blumen, Räucherstäbchen und Kerzen bestückt zu Wasser. Gleichzeitig kann man auch noch seine Wünsche oder vorhandene Sorgen und Traurigkeit aufs Floß packen, der Buddhismus ist bei solchen Dingen immer ziemlich flexibel.

Am Nachmittag gab es durch unser Dorf einen Umzug mit viel Musik und Thai dance, an dem ich im traditionellen Kostüm auf dem Wagen der Schule teilnehmen durfte. Nach Einbruch der Dunkelheit wurden dann die Krathongs gefloatet. Den anschließenden Markt auf dem zentralen Platz fand ich besonders klasse, da sich dort die lokalen Kleinproduzenten zu einem Kollektiv zusammengeschlossen hatten und es alle möglichen handwerklichen Erzeugnisse zu kaufen gab; richtig schöne Sachen! Auch gab es auf der Bühne dann noch eine  Miss-Loikrathong-Wahl, vor der die Mädchen stundenlang hergerichtet wurden, um letztendlich unter zentimeterdickem Make-up nicht wieder erkannt zu werden.

Abschließend würde ich diesen Tag als einen der bisher schönsten meines Aufenthalts in Thailand bewerten. Die Atmosphäre war einfach super nett und ich hab den ganzen Abend über Bekannte aus dem Dorf getroffen und immer ein bisschen gequatscht, soweit das mein Thai zuließ…

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Gelb

In Thailand spielen Farben eine besondere Rolle, denn jedem Wochentag ist eine Farbe zugeordnet.

Am Dienstag wurde mir aufgetragen, ein gelbes Shirt zur Schule zu tragen. Warum? Der einfache Grund war, dass am 5.12 (also erst Mittwoch) der Geburtstag des Königs ist. Gelb ist nämlich die Farbe des Königs bzw. eigentlich die Farbe vom Montag (an diesem Wochentag wurde der König geboren). Ich befinde mich hier schließlich im Königreich Thailand, wo das Staatsoberhaupt Bhumibol Adulyadej oder Rama IX. ist, welcher diese Woche 85 Jahre alt wurde. In dieser Woche trugen deutlich mehr Thais als üblich gelbe Oberteile, um ihre Verbundenheit zum König auszudrücken. Denn eins verbindet alle Menschen in Thailand: Die Liebe zum König. Dieser ist überall im Land präsent, sei es auf riesigen Plakaten, seine eigene gelbe Flagge oder als Bild, welches in jedem Haushalt zu finden ist. Seit dem 9. Juni 1946 ist er König von Thailand und somit das derzeit am längsten amtierende Staatsoberhaupt der Welt (länger als die Queen!). Für uns Deutsche ist diese Verehrung schwer nachzuvollziehen, wenn z.B. junge Thais mit tiefster Inbrunst für ihren Monarchen schwärmen. Da Rama IX. gesundheitliche Probleme hat befindet er sich dauerhaft in einem Krankenhaus in Bangkok und zeigt sich nur sehr selten seinem Volk. Als er noch aktiver war, soll er aber über 1000 Projekte, meist landwirtschaftlicher Natur, gestartet haben, um die ländlichen Probleme Thailands zu bekämpfen.

So wird z.B. auch ein Kinobesuch in Thailand in Erinnerung bleiben, da vor jeder Vorstellung die Königshymne gespielt wird, währenddessen alle Zuschauer aufstehen.

Hier gibt’s ein Video davon:

Am Tag vor dem Geburtstag wurde in der Schule mit allen Schülern eine Zeremonie für den König abgehalten, wo Lieder gesungen wurde und man sich sehr oft verbeugt hat.

Kritik am Königshaus hören die Thais nicht gerne und sogar ein Gesetz verbietet diese. Auf Majestätbeleidigung stehen bis zu 15 Jahre Gefängnis. In der Vergangenheit wurde von einigen Politikern diese Klausel als Vorwand genommen, um politische Gegner mundtot zu machen. Auch Amnesty International sieht in diesem Gesetz eine Einschränkung der Meinungsfreiheit.

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Südwärts #2

(Fortsetzung von Teil 1)

…Kuala Lumpur!

Die Stadt, dessen Name schlammige Flussmündung bedeutet, war anders als Bangkok. Irgendwie geordneter, konzentrierter. Hetzende Menschenmassen, keine Essenstände an der Straße und natürlich quäkende Muezzine. In der Praxis war es dadurch wesentlicher einfacher sich zu orientieren und von A nach B zu kommen.

Auf unserer ersten Entdeckungstour vorbei am pulsierenden indischen Stadtteil ging es zum unübersehbaren Wahrzeichen der Stadt, den Petronas Towers, welche einst als das höchste Gebäude der Welt gelistet waren. Danach machte ich mich auf zum “Islamic Arts Museum Malaysia”. Dieses schien ein Prestigeprojekt der Regierung zu sein, denn das Gebäude war zwar sehr schön aber irgendwie überdimensioniert. Am Empfang begrüßte mich ein männliches Model mit perfektem Englisch, welcher auf meine Antwort, aus welchem Land ich den komme, cool mit “I like Bastian Schweinsteiger!” antwortete. Ich fragte mich danach, ob es Teil seiner Ausbildung war, zu jeder Nation einen passenden Spruch parat zu haben. Aber egal, ich wollte mir schließlich die Ausstellung angucken. Da ich die drei Etagen nur mit geschätzten drei weiteren Besuchern teilen musste, konnte ich die Exponate ungesstört auf mich wirken lassen. Manche Themen waren wirklich interessant, andere weniger. Besonders aufmerksam las ich einen Zeitstrahl zur Geschichte Palästinas, welcher mal wieder zeigte, wie abhängig die Geschichtsschreibung vom jeweiligen Blickwinkel ist.

Am nächsten Tag folgte ein Besuch der Nationalmoschee von Malaysia, Masjid Negara, welche durch ihre offene Bauweise und der viele Wasserflächen und Fotänen hell und freundlich wirkte. Netterweise trafen wir eine Dame, die sich unser annahm und eine Stunde lang geduldig auf unsere Fragen antwortete. Danach lernten wir im National Museum von Malaysia noch viel über Patriotismus. Bevor wir dann unseren Zug Richtung Singapur bestiegen, ließen wir den Abend noch am Fuße der Zwillingstürme ausklingen.

Um 6 Uhr wurde der Schlaf abrupt beendet, denn es musste der Reisepass gezückt werden. “DEATH FOR DRUG TRAFFICKERS UNDER SINGAPORE LAW”, so begrüßte uns der Stadtstaat auf dem Einreiseformular. Nach kurzer Suche bezogen wir das wohl beste aber auch teuerste Hostel unserer Reise. Grundsätzlich waren die Preise sehr europäisch (2€= 1,50 S$). Etwas planlos ging es dann durch die Stadt, welche abseits der Märkte am Wochenende überraschend leer war. Die Wolkenkratzer umgeben von unzähligen Coffe Shops, Bars und Restaurants ließen aber erahnen, wie es hier werktags zugehen musste.

Es stimmt übrigens, dass Singapurs Straßen sehr sauber sind. Der Grund sind wahrscheinlich die drakonischen Strafen für Verschmutzungen.

Wir schauten uns einen chinesischen und einen Hindutempel an. Auf der Suche nach weiteren Sehenswürdigkeiten stießen wir auf zahlreiche Malls in denen kaufwütige Chinesen der Shoppingkultur frönten. Mit dem nötigen Kleingeld bietet Singapur nämlich alles, was das Herz eines kleinen Super-Kapitalisten höher schlagen lässt. Wir genossen den Sonnenuntergang beim Blick auf die Skyline, völlig kostenlos.

Am nächsten Tag sollte es wieder in Richtung Norden gehen. Im Eiltempo durchquerten wir die Festung der singapurischen (dieses Wort muss einfach verwendet werden!) Immigration und stiegen auf der malaysischen Seite in den Zug nach KL. Mit Musik in den Ohren, einem guten Buch oder einfach schlafend fuhren wir an den zahlreichen Palmölplantagen vorbei. Um 23 Uhr in KL wurde dann nur kurz gegessen (ich geb’s zu: bei McDoof), bis es dann mit dem Nachtzug nach Butterworth weiter ging. Dort kamen wir um 6 Uhr an und fuhren nochmal rüber nach Georgetown, das letzte Chicken-Curry genießen. Als wir dann um 14 Uhr wieder am Bahnhof eintrafen, erfuhren wir, dass der Zug gestrichen wurde. Also ging es weiter mit dem Bus über die Grenze. Auf den ersten Kilometern zurück in Thailand fühlte es sich schon irgendwie ein bisschen heimisch an. Mit dem noch erreichten rot fai (Zug) ging es dann zu unserer letzten Station Prachuap Khiri Khan.

Dort fanden wir eine unheimlich gemütliche Pension inklusive Herbergsmutter. Die letzten zwei Tage sollten nämlich möglichst faul am Strand verbracht werden. Interessanterweise fanden wir diesen auf der Airbase der thailändischen Luftwaffe. Nachdem wir am Tor unsere Namen und die Uhrzeit in eine Liste eingetragen hatten, konnten wir uns frei auf dem Gelände bewegen. Unser Weg führte uns vorbei an Kasernen und einem Golfplatz, bis wir uns aufeinmal auf der Landebahn wiederfanden. Den Strand teielten wir dann mit den Angehörigen der Sreitkräfte und einer Handvoll Touris.

Nicht wirklich erholt, aber dafür um viele interessante Eindrücke reicher, traten wir unsere Heimreise an. Und so unterscheidet sich dieser Reisebericht dann doch vom typischen deutschen; denn als wir zu Hause ankamen, war es warm (geblieben)…

 

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